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Teil 3 der Blogserie: Tafeln vor Ort

Kategorien: Blog Ehrenamtliche Integration

Trotz Sprachbarrieren Offenheit für die Mitarbeit von Geflüchteten – Dattelner Tafel

Die Dattelner Tafel befindet sich in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Bäckerei. Während die Kundschaft durch das Ladenlokal geht, stehen Tafel-Helferinnen und Helfer hinter den Theken und organisieren die Warenausgabe. Da sich die Kundinnen und Kunden die Lebensmittel selbst aussuchen, bedarf es diplomatischen Geschickes, um zu gewährleisten, dass die Waren gerecht verteilt werden. Außerdem gibt es eine Art „Kleiderkammer“, in der Haushaltswaren, Kleidung und Spielzeug vergünstigt eingekauft werden können. Schulartikel werden im Rahmen einer jährlichen Sonderaktion kostenlos ausgegeben. Der Verkauf von Möbeln wird über eine selbstständige Tauschbörse geregelt, die sich über den Aushang von Zetteln organisiert.

Die Ausgabe erfolgt an insgesamt zwei Tagen. Pro Tag sind die Kundinnen und Kunden in drei Gruppen unterteilt, deren Zeitfenster für den Einkauf im Tafelladen rotiert. Die heutige 1. Gruppe ist kommende Woche die 2. Gruppe und übernächste Woche die 3. Gruppe. Es wird ein Wartelossystem verwendet, das durch Losziehung den Zeitpunkt für die Abholung innerhalb einer Gruppe festlegt. Nach dem Einkauf im Tafelladen erhalten alle Kundinnen und Kunden eine Wartelosnummer und erfahren, wann sie in der kommenden Woche einkaufen können. Dementsprechend gibt es kurze Wartezeiten: Alle wissen, wann sie dran sind und durch das Zufallsprinzip ist eine Gleichbehandlung sichergestellt. Die Wartenden können in einem kleinen Aufenthaltsbereich Platz nehmen, in welchem Bücher und Spiele zur Verfügung stehen und Kaffee angeboten wird. Wie in jeder Tafel ist das Credo in Datteln, all jenen eine ehrenamtliche Mitarbeit zu ermöglichen, die Interesse daran haben. Neben Helferinnen und Helfern, die selbst als Kundinnen und Kunden zur Tafel kommen, sind Migrantinnen und Migranten schon seit der Gründung Teil des Teams.

Eine neuere Entwicklung ist jedoch die Mitarbeit von Personen, denen es an Deutschkenntnissen fehlt. Den Anfang machte im Sommer 2015 ein junger Mann aus Syrien, der zwar kein Deutsch, dafür aber sehr gutes Englisch sprach. Obwohl ihn auf Englisch nur eine Person im Tafel-Team verstand, begann er mit der Arbeit und lernte nebenbei Deutsch. Kurz darauf bot ein weiterer junger Mann aus Afghanistan seine Hilfe an – mit Händen, Füßen und der Übersetzungsfunktion seines Smartphones – da er weder der deutschen noch der englischen Sprache mächtig war. Dies hat sich inzwischen jedoch geändert: Nachdem er anfänglich eine Schicht in der Sortierung übernommen hatte, hilft er heute in seiner Freizeit und in seinem Urlaub aus. Hauptberuflich arbeitet er als Anstreicher und spricht inzwischen fließend Deutsch. Dem Beispiel sind einige weitere Helfende gefolgt – im weiteren Verlauf kamen immer wieder Geflüchtete, vornehmlich junge Männer aus Syrien, auf die Tafel zu. Diese Entwicklung bescherte der Dattelner Tafel 15 neue Mitarbeitende und beseitigte das Nachwuchsproblem für das Ehrenamt bis auf weiteres.

Die Entwicklungen in der Dattelner Tafel verdeutlichen eine wichtige Voraussetzung für die Einbindung von Kundinnen und Kunden sowie Geflüchteter in das Team der Tafel-Helfenden: Um Türen zu öffnen und tatsächliche Offenheit zu praktizieren, Verständnis zu fördern, zur Sensibilisierung für interkulturelle Begegnungen beizutragen und die Bereitschaft für Offenheit im Team zu stärken, ist in der Dattelner Tafel die Teilnahme an Veranstaltungen und Bildungsangeboten der Tafel-Akademie als eine praktische Hilfestellung erlebt worden. Beispielsweise hat sich eine Mitarbeiterin während ihrer Seminarteilnahme einfache Übungen abgeschaut und diese in die nächste Team-Besprechung übernommen. Dadurch konnten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Datteln von den behandelten Seminarinhalten lernen.

Außerdem ist die Dattelner Tafel eine von insgesamt zehn Tafeln, die am Projekt ‚HeimatTafel‘ von Tafel Deutschland e.V. teilnimmt. Für ein integratives Theaterprojekt mit Ehrenamtlichen und Geflüchteten erhält sie finanzielle Förderung von dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Unter der Einbindung einer Sozial- und Theaterpädagogin beschäftigen sich zwölf Personen mit dem Entwurf und der Ausarbeitung eines Theaterstückes, das bald im örtlichen Begegnungscafé aufgeführt werden soll.
Zur weiteren Unterstützung der Kundinnen und Kunden wird im Tafel-Büro einmal wöchentlich durch die Tafelleitung, die beim Caritasverband als Sozialarbeiterin angestellt ist, eine Sozialberatung angeboten. Durch sie besteht eine direkte Verbindung zum Team der Caritas, sodass bei Bedarf Anliegen von Tafel-Kundinnen und Kunden über den „kurzen Dienstweg“ an andere Stellen übergeben werden können. Dazu gehört auch der Migrationsdienst, der Unterstützung bei der Kindergarten-, Wohnungs- und Arbeitssuche und ein wöchentliches Begegnungscafé anbietet. Der örtliche Arbeitskreis ‚Flüchtlingshilfe‘ organisiert Sprachkurse, ein Frauenfrühstück und Kinderprojekte. Das Wissen der Tafel-Helferinnen und Helfer über die lokalen Netzwerke und Unterstützungsangebote in Datteln für Einheimische und Geflüchtete macht es möglich, alle Tafel-Kundinnen und Kunden über bestehende Angebote zu informieren und hilfreiche Empfehlungen darüber zu geben, wohin sie sich bei Fragen wenden können. Dies erleichtert die Zusammenarbeit ebenso wie den Alltag der Kundinnen und Kunden.

Bild: © Dattelner Tafel

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